Nicht von ungefähr legen Fußballer auch abseits ihrer Auftritte in den Stadien großen Wert auf ihr Aussehen. Das Haar sitzt perfekt, die jüngsten Tattoos werden stolz auf Twitter, Instagram und Facebook gepostet. Von der Fangemeinde zu lukrativen Werbeverträgen ist es da dann nur noch ein Katzensprung. Haben die Fußballer jedoch erst einmal oft genug vor der Linse posiert und Blut geleckt, führt neuerdings für nicht wenige von ihnen der Weg direkt ins Unternehmertum. War die Mode zunächst lediglich eine willkommene Begleiterscheinung, wird sie nun zum bedeutsamen Lebensinhalt.

Win-win-Situation – Spitzensportler als Markenbotschafter

Während sich Anfang Juni vergangenen Jahres nicht wenige Fußballfreunde auf Plattformen wie bet365 über die Online-Wetten auf dem Laufenden hielten und mit ansehnlichen Gewinnen kokettierten, war für den Nationalspieler Benedikt Höwedes der Traum von der Fußball-Europameisterschaft längst ausgeträumt. Er musste das Feld Bayern-Kollegen Joshua Kimmich überlassen. Statt aber Gott und die Welt zu allen Teufeln zu wünschen, postete er auf Facebook, dass die Entscheidung des Bundestrainers richtig war. Diese sportliche Fairness brachte ihm 34.000 Likes ein und kürte ihn zum deutschen EM-Sieger in den sozialen Netzwerken.

Aktionen wie diese steigern ohne viel Zutun den eigenen Marktwert, denn Fans honorieren Aufrichtigkeit. Hinter Jérôme Boateng, dem Münchner Spitzenverteidiger, rangiert Höwedes in der Beliebtheit der Fans damit auf Platz 9 von 50 prominenten Fußballprofis. Seit Social-Media-Auftritte in die Verhandlungen über die Vergütung einfließen, sind die Zeiten endgültig vorbei, da das Netzwerken eine amüsante Spielerei war. So weiß der deutsche Facebook-König Mesut Özil 30 Millionen Fans auf seiner Seite, während Cristiano Ronaldo, der Weltfußballer 2016, mit 200 Millionen Followern international unangefochten an der Spitze liegt.

Ist alles im grünen Bereich, treffen sich mit Sport und Mode zwei Partner auf Augenhöhe. Wie viel der Modebranche das Markenbewusstsein wert ist, hat sich 2013 in aller Deutlichkeit beim ungekrönten Werbekönig des deutschen Spitzensports gezeigt. Kein Geringerer als Adidas-Chef Herbert Hainer persönlich hat sich um die Gunst Mesut Özils bemüht und dessen Marke mit 25 Millionen Euro vergütet. Der Vertrag läuft bis 2020 mit einer Option auf Verlängerung. Den Verhandlungen ging ein halbes Jahr Markenlosigkeit voraus, zu dem ein Amsterdamer Gericht den Profikicker verurteilt hatte, nachdem dieser ungeachtet aller Vereinbarungen mit dem US-Vertragspartner Nike vorzeitig die deutschen Konkurrenzprodukte getragen hatte.

Überlegenswerte Zwischenlösung – Spitzensportler als Teilhaber

Während nun Modeunternehmen dann mit Spitzensportlern wie Fußballern Geschäfte machen, wenn positives Image, hohe Bekanntheit, große Professionalität und Beliebtheit den erwünschten Markenwert indizieren, kokettieren die Spitzensportler selbst mehr mit der Mode, um sich ein Leben nach ihrer aktiven Karriere zu sichern. Speziell bei Spitzenfußballern ist es weniger eine Frage des Geldes als vielmehr eine des Lebensinhalts. Die Zeit mit Golfspiel und Strandaufenthalt totzuschlagen, ist schließlich nicht jedermanns Sache. So erkranken jüngsten Studien zufolge 39 Prozent der Exprofis an einer Depression, während 32 Prozent dem Alkohol frönen und 12 Prozent an einem Burn-out-Syndrom leiden.

Weitblick beweist der australische Fußballspieler Tim Cahill. 2014 war weder ein Karriereende in Sicht noch hat ihn eine Verletzung zum Umdenken gezwungen. Dennoch war es ihm ein Bedürfnis, für Shoreditch London mehr als nur Markenbotschafter zu sein. Er wurde Teilhaber und ist seither mit „Shoreditch by Tim Cahill lifestyle range“ im Modeunternehmen vertreten. Die Kollektion umfasst T-Shirts, Jacken und Hosen. Eine ähnliche Überlegung verfolgt David Beckham mit seinem H&M-Engagement. Er darf sich einer eigenen Unterwäschekollektion rühmen, entwirft Loungewear und hat bei der Modern Essentials Linie von H&M die Teile selbst ausgesucht. Als kluger Werbeträger lässt er nicht unerwähnt, dass er seine für H&M entworfene Mode auch privat trägt.

Ultimativer Einstieg – Spitzensportler als Modeunternehmer

Die Liste jener Spitzenfußballer, die sich mit einer eigenen Produktlinie in die Selbstständigkeit gewagt haben, ist schier ellenlang. So mischt Dortmunds Spitzenspieler Marco Reus seit November 2015 mit dem Label „purSuit“ den Modemarkt auf. Er ist sowohl mit einer Herren- als auch mit einer Damenkollektion vertreten. Neben sportlichen T-Shirts, Caps und Pullovern in urbanem Stil winken Interessierten moderne Schnitte und gedeckte Farben. Vertrieben werden die Teile über die eigene Homepage und Outfittery.

Über einen Onlineshop vertickt auch Kollege Lukas Podolski seine Streetwear. Er verfügt allerdings zudem über ein eigenes Geschäft in Köln. Von T-Shirts über Mützen bis hin zu Trainingsanzügen und Rucksäcken ist da wie dort alles unter dem Label „Strassenkicker“ zu haben, was das Herz begehrt.

Das Label „A–Z“ von Zlatan Ibrahimović steht für einfach geschnittene, unifarbene, sportliche Outfits, während es unter Cristiano Ronaldos Label „CR7“ neben Hemden vornehmlich Unterwäsche gibt. Dass bei ihm der Name Programm ist, überrascht nicht wirklich. Näher wird der Fan seinem Idol allerdings schwerlich kommen können. (Video: youtube.com)

 

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