Tom Hanks - Interview zu ILLUMINATI

Q: Der Trailer ist voller Action. Gibt es viele Action-Szenen im Film?

Tom Hanks: Ja, die gibt es, aber es gibt keine Faustkämpfe. Und es ist nicht so, dass Langdon sich ein Maschinengewehr greift. Er schießt tatsächlich mit einer Waffe, aber nur um ein Fenster zu zerbrechen. Das ist alles. Im Film läuft die Zeit ab, nicht nur, dass die Antimaterie-Bombe explodieren könnte, nein, es findet ja auch die Papstwahl statt. Robert Langdon muss den Pfad der Illuminati-Morde vor der Wahl stoppen, wenn er es nicht schafft bedeutet es, dass die Papstwahl unterwandert wurde.

Q: Im Buch kommt Professor Langdon Vittoria Vetra (Ayelet Zurer) sehr nah – ist das auch im Film so?

Tom Hanks: Nun ja, falls es wirklich Romantik gibt, dann wird sie vom gemeinsamen Ziel der beiden, einen Kardinal vor dem Tod zu bewahren, gut versteckt. Es bleibt nicht viel Zeit, um romantisch zu werden, bevor der Papst gewählt ist. Weil Dan Brown Robert Langdon in „Illuminati“ erfunden hat, hatte er im Buch mehr Zeit, um seine Figur auszumalen. Als er „Sakrileg“ schrieb, war Langdon fast nur noch der Fachmann. Nun ist ILLUMINATI ja der zweite Film, die zweite Geschichte von Langdon, und darum hatten wir keine Zeit, die romantischen Gefühle zwischen einem sehr gesunden, robusten Robert Langdon und einer ebenso gesunden, attraktiven Vittoria Vetra zu ergründen. Ich möchte vermuten, dass sie sich am Ende des Films zurückziehen um einen Espresso oder ein Glas Wein im Hassler Hill Hotel, auf der Spanischen Treppe oder vielleicht auf einem kleineren Platz ein wenig außerhalb von Rom zu trinken, aber man sieht es einfach nicht.

Q: Ron Howard hat davon gesprochen, den Film ein wenig künstlerischer und weniger ehrfürchtig wirken zu lassen. Glauben Sie, das stimmt mit Ihrer Darstellung von Robert Langdon überein?

Tom Hanks: Ja, da das der zweite Film ist, hatten wir diese Möglichkeit. Langdon konnte auf Erfahrungen setzen, die er im Buch noch nicht hatte. Dort passierte so etwas zum ersten Mal, und es gab fast so etwas wie einen Wettbewerbsgedanken. Er war fast streitlustig, und das passt sehr gut. Es gab viele Hochrechnungen in dem Buch, denn schließlich hat Dan Brown es geschrieben, bevor es Euch überhaupt gab. Google gab es noch nicht, als Dan Brown das Buch schrieb. Er hat die Wahl des Papstes als ein Ereignis beschrieben, das nur drei Übertragungswagen vor den Vatikan lockt und niemanden wirklich interessiert. Aber wir alle wissen, dass ein riesiger Medienzirkus veranstaltet wird, wenn der Papst stirbt und ein neuer gewählt wird. Jeder Sender schickt seinen besten Mann nach Rom, um vom Petersplatz zu berichten. Er war also etwas ungenau, als er das Buch schrieb, weil zu dieser Zeit schon sehr lange kein neuer Papst mehr gewählt worden war und man irgendwie vergessen hatte, was für ein großes Ding das ist. Wir haben uns nicht viele Freiheiten genommen, aber um es aus heutiger Sicht logisch darzustellen, mussten wir ein paar Dinge einfach ändern.

Q: CERN ist eine der wichtigsten Locations das Films. Haben Sie es sich anders vorgestellt?

Tom Hanks: Nun ja, es ist das Beeindruckendste, was ich je gesehen habe. Man kann es mit einem Besuch bei der NASA in Cape Canaveral und Cape Kennedy vergleichen, wo man zuerst nur einfache Bürogebäude sieht, und dann geht man hinein und sieht den Raumgleiter, das Raumschiff, das fertig zum Starten ist. Als wir den ATLAS Beschleuniger gesehen haben, war allein seine Größe beängstigend. Ich weiß nicht, wie kompliziert der Teilchenbeschleuniger wirklich ist, aber er ist sicher um einiges komplizierter, als man meinen würde. Und wenn man dann noch bedenkt, dass man drei Stockwerke oder hundert Meter unter der Erde ist – dann muss einem einfach klar werden, dass wir Menschen sehr mächtig sind. Wir sind erstaunliche Wesen, weil wir uns so etwas überhaupt vorstellen und es dann auch noch bauen können. Ich würde gerne zurückkommen und ihnen helfen, den Knopf zu drücken und ihn wieder zu starten, einfach um zu sehen, was passiert.

Q: Die Geschichte von Illuminati verschafft großartige Einblicke ins CERN und die wissenschaftlichen Theorien dort. Glauben Sie, man muss sich Sorgen um die Sicherheit der Organisation und ihre Arbeit machen?

Tom Hanks: In Wirklichkeit gibt es generell keine großen Sicherheitsvorkehrungen in CERN, da es einfach nichts zu stehlen gibt, nicht einmal ein Geheimnis, das man mitnehmen kann. Wenn jemand etwas aus CERN stehlen würde, dann bräuchte er immer noch 450 Milliarden Dollar, um einen Teilchenbeschleuniger zu bauen. Wenn wir also hier über die Dinge, die in CERN passieren, sprechen und bemerken, dass hier etwas Großes entstehen kann – dann sollten wir uns der Macht von Filmen bewusst sein. Man sollte nicht verachten, wie toll etwas ganz Alltägliches in einem Film aussehen kann.

Q: Können wir in Zukunft vielleicht einmal einen Film sehen, in dem Tom Hanks Regie führt und Ron Howard der Schauspieler ist?

Tom Hanks: Ich glaube nicht, dass Ron Schauspieler sein möchte, und ich bin nicht sicher, ob ich als Regisseur arbeiten möchte. Es ist harte Arbeit. Ich denke ich bin noch ein Schüler. Ich weiß nicht instinktiv, wie man in die Regiearbeit eintaucht, denn du musst so viel mehr kommunizieren. Du musst ein Cheerleader und ein Projektleiter gleichzeitig sein. Das muss ich als Schauspieler nicht. Aber wenn ich Ron Howards Regisseur wäre, würde ich ihn jeden Tag durch die Hölle gehen lassen, das garantiere ich Ihnen. Ich würde ihm so viel abverlangen. Wir würden nicht aufhören, bis er das Set weinend verläst. Schluchzend! (Quelle, Bild: Sony Pictures Releasing GmbH)

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