Wie kann man sich erklären, dass ein erwachsener Mann wie Sie, Karl, noch immer nicht ohne seinen Teddy auskommt?

Ich liebe Tiere sehr. Vor allem, wenn sie mit Baumwolle oder Polyester gestopft sind…! So kann man am besten sicherstellen, dass sie nicht beißen, nicht fressen, nicht schlecht riechen und Ihre Sachen nicht schmutzig machen…

War die Zusammenarbeit mit Steiff hinsichtlich eines Teddybären, der aussieht wie Sie, Ihre Idee?

Auch wenn ich unnahbar wirke, kann ich Ihnen versichern, dass die Leute im Allgemeinen auf mich zukommen, nicht umgekehrt.

Das heißt also, wenn ich Sie richtig verstehe hat Steiff den ersten  Schritt auf Sie zu gemacht…

Vor allem haben sie meine sehr treue Kommunikationsleiterin Caroline kontaktiert. Mich kann man nicht direkt anrufen. Man muss sich an das Kindermädchen wenden, wenn man das Baby sehen möchte.

Ganz ehrlich: hat Sie die Idee sofort angesprochen?

Sofort. So etwas liebe ich. Ich hatte mein Abbild bereits für eine Zinnfigur und Videospiele zur Verfügung gestellt. Warum also nicht auch für einen Teddybären?

Waren Sie bereits in Ihrer frühesten Kindheit mit den Steiff Tieren vertraut, als kleines Kind in Deutschland?

In Deutschland wächst jeder mit einem Steiff Tier auf. Ich hatte ganz sicher auch eines, als ich sehr klein war. Das hat aber nur kurze Zeit gedauert: wissen Sie, ich bin nicht allzu lange ein Kind geblieben…

Ich hätte Sie mir trotzdem eher mit einer Puppe als einem Teddybären vorgestellt, wie jeden Designer in kurzen Hosen, der etwas auf sich hält…

Oh Gott. Puppen verabscheue ich richtig, sie machen mir Angst. Jedes zu ähnliche Abbild der menschlichen Form erfüllt mich mit Entsetzen. Mit Tieren ist das anders. Ein hübsches Plüschtier oder ein kleiner Hund, das ist das gleiche: die schlafen immer und stören  niemanden!

Ein Steiff Teddybär, der aussieht wie Sie: kann es sein, dass Sie vielleicht ein klein wenig narzisstisch  sind, Herr Lagerfeld?

Ich interessiere mich nur für mich selbst und mein Spiegelbild. Ich bin eine wandelnde Karikatur, die sich an viele Fundamente und Situationen anpassen kann. Ich bin eine Art Charlie Chaplin des Alltags.

Waren Sie nicht selbst ein bisschen wie ein Bär, bevor Sie so viel Gewicht verloren haben?

Bis auf den einzigen Unterschied, dass ich niemals das Spielzeug von irgendjemanden war…

Haben Sie bei der Herstellung des Teddybären jeden Schritt verfolgt?

Ich bin nicht Doktor Frankenstein, ich beschäftige mich nicht mit Vivisektion, deshalb habe ich mir das Zusammenfügen des Bären nicht angeschaut… Dagegen habe ich sämtliche Anproben der Kleidungsstücke in unseren Pariser Ateliers überwacht; hier haben wir eine Atelierleiterin namens Anita, die sich mit Miniatur-Konfektion hervorragend auskennt.

Warum sind Teddybären immer geschlechtslos?

Vermutlich aus dem einfachen und guten Grund, dass die Eltern keinen Wert darauf legen, dass ihre Nachkommen viel zu früh anfangen, sich zu amüsieren! Wie in dieser Hamburger Bildergeschichte, in der die kleine Erna in einen Süßwarenladen geht und eine Puppe aus Schokolade verlangt. Der Verkäufer sagt also zu ihr: „Möchtest du lieber einen kleinen Jungen oder ein kleines Mädchen?“ Und Erna erwidert: „Einen kleinen Jungen… da ist mehr Schokolade dran!“

Besteht nicht die Gefahr, dass Ihre Feinde sich auf Ihren armen, wehrlosen Bären stürzen und ihn wie Voodoo-Zauberer mit Nadeln durchbohren?

Das ist mir völlig egal. Ich bin bereits ein Zinnsoldat geworden und habe mir dabei auch keine Gedanken darüber gemacht, ob meine Feinde mich an die Front in das Gewehrfeuer schicken. Auf alle Fälle besteht keine Gefahr, dass mir derartige schwarze Magie etwas anhaben könnte. Ich habe meine Seele schon vor langer Zeit dem Teufel verkauft!

Waren Sie denn nie so sanft und verschmust wie Ihr Teddybär?

Überhaupt nicht. Aber man darf sich hier keine Illusionen machen: Auch die Teddybären machen niemals den ersten Schritt. Die Initiative geht immer vom Besitzer aus. Können Sie mir folgen? Solange Sie mit Ihrem Teddybären nicht sanft und verschmust sind, wird er Ihnen nie etwas zurückgeben. Oder falls doch, dann ist es kein Teddybär mehr, sondern ein Roboter.

Nehmen Sie Ihren Teddybären mit ins Bett?

Ich schlafe ganz alleine, nur mit mir selbst. Was auf dasselbe hinausläuft, da der Teddybär ja mein Ebenbild ist! (Quelle, Bilder: MARGARETE STEIFF GmbH / KARL LAGERFELD © 2008)

 

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