BMW BerlinEin Bayer erobert Berlin – Hans-Reiner Schröder ist mit jenen bayerischen Charme-Genen ausgestattet, gegen die Kunden wie Mitarbeiter gleichermaßen nahezu machtlos sind. Gepaart mit Können, ungewöhnlichen Marketing-Ideen und einem gesunden Netzwerk ist dies eine sichere Allianz.

Auch wenn es schon 26 Jahre her ist, so unterschwellig hat man die Bilder noch im Kopf, die damals um die ganze Welt gingen: Der neue BMW 7er wurde in 180 Meter Höhe auf dem Olympiaturm in München vorgestellt. Er wurde von außen hoch gehievt und wurde von einem Hubschrauber mit Lichtspielen bestrahlt. Der Mann, der damals diese gigantische Idee hatte, war Hans-Reiner Schröder. Heute ist der Bayer Chef der BMW Niederlassung in Berlin und bringt mit seinen Ideen die Hauptstadt in Schwung.

„Der Ruf nach Berlin war eine Herausforderung“, sagt Schröder lächelnd, und: „Allerdings eine noch viel größere, als ich dachte!“ Nun, immerhin verließ Schröder Anfang 2007 die heile Welt Mittelfrankens, wo er als BMW Niederlassungsleiter einer der bekanntesten Persönlichkeiten Nürnbergs war. Abgesehen davon, dass er dort den Umsatz um 80 Prozent steigerte und es damit auf einen Marktanteil von 16,8 Prozent brachte, zeichnete er sich durch sein ausgeprägtes soziales Engagement aus, u.a. startete er Aktionen für die Unicef, für die Deutsche Schlaganfallhilfe und für die Aktion Sternstunden des Bayerischen Rundfunks und ist Gründungsmitglied für „Lobby für Kinder“. Für sein Engagement wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Schröder: „Diese Auszeichnung motivierte mich, mein Engagement tatkräftig fortzusetzen und mich nicht auf dem Erreichten auszuruhen!“

Sich auf Erfolgslorbeeren auszuruhen war sowieso nie sein Ding. Er, der sich als 15jähriger Schüler sein Taschengeld in einem Münchner Sportgeschäft verdiente und dort Skistöcke montierte, wurde schon nach vier Wochen aus dem Skikeller nach oben in den Verkauf geholt, weil er – so der Chef – „kontinuierlich fleißig und ambitioniert ist“. Er ist heute noch seinen Eltern dankbar, dass sie ihn so lebenstüchtig erzogen haben. „Egal, was ich wollte, es hieß: ‚Du bekommst es von uns, aber die Hälfte musst du dir dazu verdienen!“

So war’s auch mit seinem ersten Auto als Geschenk zum 18. Geburtstag – dem Funny-VW-Buggy. Als BWL-Student fuhr er später seinen ersten BMW, einen lindgrünen 318er. Den Einstieg in die Automobilbranche fand Schröder zuerst als Verkäufer bei Mercedes, und lernte dann das Handwerk von der Pike auf weiter bei einem BMW-Händler in Gräfeling. Schnell wußte er: 1. Autoverkauf und 2. Service gehören eng zusammen, also „wenn ich das Auto verkauft habe, beginnt erst die Arbeit. Ich muß den Kunden pflegen und darf ihn nicht aus den Augen verlieren!“

Das ist unter anderem eines der Erfolgsgeheimnisse des Netzwerkers: Er verliert niemanden aus den Augen. So ist es ihm kürzlich durch einen alten Kontakt auch gelungen, dass ein großer Hamburger Verlag seine BMW Flotte nun in Berlin kauft.

In Berlin hat der Verkauf von Neufahrzeugen in den letzten zwei Jahren um gut 15 Prozent zugenommen. Die Fakten: Im Jahr 2006 kam der Konzern innerhalb des Premium-Segments in Berlin mit einem Absatz von 3.800 Neufahrzeugen auf einen Marktanteil von 10,6 Prozent. Dieses Jahr liegt der Segmentmarktanteil bereits bei über 15% und wird einen erwarteten Absatz von 4.400 neuen Automobilen erreichen. Dazu trägt auch ein wachsendes Großkundengeschäft und die erfolgreiche Entwicklung im Diplomatenverkauf entsprechend bei.

Schröder: „Meine Hauptaufgabe ist, in Berlin Autos zu verkaufen!“ Aber er will BMW noch mehr präsentieren und durch sein Engagement im Sponsoring, im kulturellen wie im sportlichen Bereich, weiter vorankommen: „Ich bin fest davon überzeugt, dass Berlin eine der größten, wenn nicht die größte Metropole Europas wird“. Da brauchen natürlich die bayerschen Autobauer ein Aushängeschild.

Die gestandene Persönlichkeit sieht all seine Aktivitäten immer im „Einsatz der Marke!“ Dafür ist er an gut 200 Abenden im Jahr unterwegs – ohne ein Party-Löwe zu sein. Manchmal würde er auch lieber zum Fliegenfischen nach Irland oder Norwegen fahren, als auf eine Veranstaltung zu gehen.

Aber sein Herz schlägt eben im BMW Takt. Der große Durchbruch gelang Schröder in Berlin von eineinhalb Jahren mit der Veranstaltung „Staatsoper für alle“, mit dem ein neues Highlight im Kulturkalender der Stadt geschaffen wurde. Die Veranstaltung lockt seitdem jährlich an zwei Tagen über 40 000 Besucher zur Opernübertragung und zum Open-Air Konzert an den Bebelplatz. Schröder: „Das ist unser Geschenk an alle kultur- und musikbegeisterten Bürger und natürlich an unsere fast 2.600 BMW Mitarbeiter.

Wie auch beim Gala-Dinner zur „Staatsoper für alle“, wo Bundespräsident Horst Köhler, sowie der russische Botschafter Vladimir Kotenev, Joschka Fischer , Max Schautzer und Volksmusik-Star Florian Silbereisen, dabei waren, beeindruckt immer wieder Schröders Gästemischung.
Denn auf dem Parkett des Small Talks ist Schröder – der gerne gesteht, auch bei Konzerten von Hansi Hinterseer dabei zu sein – fit für Politiker und Wirtschaftsbosse.

Seine Rechnung, den Nachholbedarf auf dem Berliner Markt einzuholen, wo BMW gegenüber den Konkurrenten Defizite gehabt hat, ging auf. Insbesondere durch intensives Marketing habe man neue Kunden gewinnen können. Auch das Geschäftsjahr 2008 lief gut an, seit Januar wurden laut BMW neun Prozent mehr Fahrzeuge in Berlin verkauft als im Vorjahreszeitraum. Hier noch Fragen an den Leiter der BMW-Niederlassung Berlin zu der aktuellen Wirtschaftsituation:

Herr Schröder, wie hat der Berliner Markt auf die Krisensituation reagiert?

Schröder: Für 2008 sehen die Zahlen noch relativ positiv aus: Wir wachsen derzeit in Berlin gegen den Trend. Jedoch schlägt die Finanzkrise nun in die Realwirtschaft durch, wie uns die Zahlen der letzten Wochen zeigen. Eine starke Eintrübung ist festzustellen. Wir gehen davon aus, dass wir für das Gesamtjahr 2008 über dem Vorjahr liegen. Dieses Ziel verfolgen wir aber nur, wenn wir profitabel wachsen können und mit allen Fahrzeugen Geld verdienen. Wir verkaufen also kein Auto um jeden Preis. Für 2009 sehen wir einen sehr schwachen Gesamtmarkt. Aber wir stellen uns darauf ein.

Wie lautet zur Zeit Ihre Langzeit-Prognose für den Berliner Automarkt?

Schröder: Langzeitprognosen sind derzeit schlecht möglich. Wir fahren auf Sicht und passen alle Maßnahmen den Umständen und Entwicklungen an. Ich hoffe, dass – durch die Anstrengung aller – die Marktentwicklung im kommenden Jahr wieder ins positive dreht. Langfristig bin ich mir sicher, dass es wieder aufwärts geht. Nach jedem Regen kommt auch wieder Sonnenschein.

Weltweit soll BMW 81 00 Jobs gestrichen werden. Wenn Ihre Mitarbeiter in Berlin so eine oder ähnliche Meldung hören – Wie machen Sie in dieser schwierigen Zeit Ihren direkten Mitarbeitern Mut?

Schröder: Meine Berliner Mannschaft ist gut am Markt unterwegs. Und ich weiß, dass wir gemeinsam den Markt weiter gestalten werden. In jeder Veränderung steckt eine Chance und BMW ist in der Vergangenheit immer gestärkt aus Krisen hervorgegangen.

BMW hat ein Strategieprogramm entwickelt, welche Auswirkungen fürs tägliche Geschäft hat. Was können Sie davon in Berlin umsetzen?

Schröder: Unser Konzernstrategieprogramm Number ONE leben wir auch in der Niederlassung. Es gilt, alle Prozesse zu überdenken und nach Markt- und Kostenpotentialen zu suchen. Ziel ist, dass jeder Mitarbeiter jeden Tag Veränderung zulässt und vorantreibt.

Auch die Werbebranche soll die Probleme der Autofahrer spüren, Laut dem Bremer Trendforscher Peter Kruse ist aber nicht nur die Finanzkrise und der Ölpreis schuld an der Kaufzurückhaltung: Das Auto verliere schlicht und ergreifend an Wert als Objekt der Begierde. Stimmt das?

Schröder: Mobilität wird derzeit neu gedacht. Ich bin mir sicher, dass es kurz- bis mittelfristig keine Alternative zum Automobil geben wird. Alternativen wird es – je nach Verkehrsanforderung – bei den Antrieben geben. Seien Sie sicher: Wir werden für jede Anforderung eine Lösung anbieten. Wir müssen aber verhindern, dass große Autos in der öffentlichen Wahrnehmung verteufelt werden. Ein neuer BMW 730d lässt sich mit 7,2 Litern auf 100 Kilometer fahren – da hält mancher Kleinwagen nicht mit.

Der 7er BMW ist ja für BMW etwas ganz Besonders und seit jeher das Aushängeschild. Was macht BMW so sicher, das Limousinen „niemals aussterben?“

Schröder: Der BMW 7er ist unser Flaggschiff und Innovationsträger. Und Reisen mit einer Limousine ist mit die angenehmste Form des Reisens. Daher wird es hierfür aus meiner Sicht immer Bedarf geben. Für den neuen BMW 7er sehe ich in Berlin großes Potenzial im Geschäftskundenbereich.

Der Trend geht ja ein bisschen in Richtung Geländewagen. Die Jungen wollen ein witziges Auto und die Älteren höher sitzen, bequemer einsteigen. Wann kommt der X1 und erwarten Sie sich davon ein Modell gegen den Abschwung?

Schröder: Der BMW X1 kommt 2009 und damit öffnen wir wieder ein neues Segment für Premium-Automobile. Seien Sie versichert, das Auto wird begeistern. Und der BMW X1 wird – wie bisher BMW X3, X5 und X6 – auch die Berliner begeistern. Wie schon gesagt: Großes Auto bedeutet bei BMW nicht großer Verbrauch.

Herr, Schröder, was gefällt Ihnen an Berlin besonders?

Schröder: 1. Staatsoper für Alle 2. Preis der Nationalgalerie für junge Kunst. 3.Vielfalt von Kulturen und Menschen. 4. Die Aufbruchstimmung bei Allen, die nach Berlin kommen. Und was nicht? Das nasse Wetter im Winter (Quelle: Caroline van Wieden, Bild: BMW)

 

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