Das deutsche Fernsehen gilt generell als sehr freizügig und liberal. Manchmal hat man dabei schon das Gefühl, dass es schwer ist, noch etwas zu finden, dass es nicht schon gibt. Eine nackte Brust am Nachmittag oder Menschen, die unverschuldet bloß gestellt werden, sind längst schon an der Tagesordnung auf vielen Programmen. Das bringt die Zuschauer nicht mehr aus der Fassung.

Im Jahr 2008 lehnte der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki die Ehrenauszeichnung des Deutschen Fernsehpreises ab und übte in seiner Begründung harsche Kritik am deutschen Fernsehen. Danach wurden viele Stimmen laut, die den Auftritt während der Preisverleihung zwar als übertrieben ansahen, dem Grundsatz der Aussage Reich-Ranickis aber zustimmten.

Aber warum laufen dann Formate wie „Germanys Next Topmodel“, „Bauer sucht Frau“ oder „Schwiegertochter gesucht“ so erfolgreich im Fernsehen? All diese Sendungen befinden sich schon in weiterführenden Staffeln und die Einschaltquoten sind immer noch so hoch, dass weitere Fortsetzungen nicht infrage gestellt werden.

Übertrumpfen um jeden Preis

Es soll in den Shows immer noch außergewöhnlicher, noch größer und noch spektakulärer sein und dafür lassen sich Moderatoren und prominente Gäste oft zu peinlichen bis hin zu teilweise waghalsigen Aktionen überreden. Zwei, die dieses Spiel perfekt beherrschen, sind Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf. Die beiden Chaoten treiben ihre Zweikämpfe in verschiedenen Fernsehformaten immer wieder auf die Spitze – und dabei sind die Aktionen manchmal auch schon am Rande des vernünftigen Menschenverstandes. Aber genau das scheint es zu sein, was ihr junges Publikum sehen will. Zumindest nach dem Erfolg der beiden zu urteilen. Dabei vergessen viele, dass sowohl Joko als auch Klaas bereits Vater sind und eine gewisse Verantwortung tragen.
Neuesten Gerüchten zur Folge soll Joko sich jetzt wieder um eine alleinige Karriere bemühen und das Duo mit seinem Kumpel Klaas hinter sich lassen. Mehr Hintergründe über Joko und einen ausführlichen Steckbrief gibt es auf top.de.

Freiwillige für Reality-Shows sind genug vorhanden

Wer hat sich bei so manch peinlichen Fremdschäm-Szenen im Fernsehen nicht auch schon mal gefragt „Warum machen die da bloß mit?“. Bei vielen spielt wahrscheinlich die Entlohnung eine große Rolle. Und auch die mediale Präsenz, die man durch das eine oder andere Format erlangen kann, wird für so manchen ein reizvoller Aspekt sein.

Aber offensichtlich reichen die Anreize ja aus, denn die Teilnehmer gehen den Fernsehshows nicht aus. Erst kürzlich wurde das wieder eindrucksvoll beim Auftakt zur neuen Staffel „Germanys Next Topmodel“ bewiesen, bei dem sich hunderte Mädchen freiwillig und später auch nur in Bikini bekleidet dem Urteil der Jury um Heidi Klum stellten.

Und die Produktions-Maschinerie leistet sich keine Pausen. Gerade erst hat der diesjährige Bachelor seine letzte Rose an seine inzwischen wieder Ex-Freundin vergeben, ruft Frauke Ludowig in der abschließenden Show schon wieder dazu auf, sich für die nächste Staffel zu bewerben. Hierbei hat man die Wahl zwischen der Rolle der allumworbenen Bachelorette oder der eines Kandidaten, der neben 19 anderen um die Gunst einer wildfremden Frau buhlen kann. (Bild: istock.com/gbrundin)

 

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