HBC Couture: Designer Scouts präsentierten am 21. Januar 2010 im Rahmen der Fashion Week Berlin erstmalig eine neue Runway Show für neun Berliner Designer, darunter starstyling, JULIAANDBEN, A.D.Deertz und Von Bardonitz.

Berlins neuer Avantgarde Laufsteg war ein voller Erfolg

Vor vollem Haus und unter tosendem Applaus präsentierten am 21. Januar ab 19.30 Uhr neun Berliner Designer ihre neuen Kollektionen auf dem Laufsteg der .HBC Couture: Designer Scouts.

Die Idee, eine Gruppe von Berliner Avantgarde Designern an einem Abend in einem unkonventionellen Ambiente zusammenzubringen, ging voll und ganz auf. Die Show unter bunten Neonröhren und zwischen verspiegelten Säulen bewies, dass Mode auch fernab von hochglanzpolierten Laufstegen und roten Teppichen funktioniert.

Das Berliner Kult-Label starstyling eröffnete den Abend unter sphärischen Klängen und sanften Stimmen mit ihrer neuen Hebst/Winter 2010 Kollektion „Jessica Nussbaum“, die nach einem bunten Sommer diesmal überwiegend in schwarz, weiß und warmen Farbtönen wie Waldgrün, Aubergine, Dunkelbraun und Fuchsia gehalten war. Darauf folgte das neue Berliner Accessoire Label Carni, welches neben auffälligen Ketten eine Neuinterpretation des Harness präsentierte. Im Anschluss gab der Avantgarde Geheimtipp JULIAANDBEN sein langerwartetes Laufstegdebut mit seiner Kollektion „Leave the money in the office“. Hauptdetail waren hier die mit Rost gefärbten Stoffe, die den Designs eine völlig neuartige Textur verliehen.

Der zweite Show-Block wurde von der Männerkollektion „Wut“ des Jungdesigners Martin Niklas Wieser eröffnet. Die hochwertigen Art-Deko-inspirierten Entwürfe von DONT SHOOT THE MESSENGERS wussten durch schmeichelhafte Schnitte und feinste Materialen zu überzeugen. Einen gelungenen Abschluss für den zweiten Block bildete die neue AW 2010 Kollektion des gefeierten Männerlabels A.D.Deertz. mit einem subtilen, aber starken Stil für den zeitgenössischen Mann.

Im letzten Teil des Abends zeigte der in Berlin ansässige Brasilianer V!TOR seine politisch motivierte Kollektion mehrlagiger Strickteilen. Nachwuchsdesignerin Julie Eilenberger begeisterte mit ihrer transparenten und lasziven Space-Kollektion, bevor der Abend mit den schwarzen und hautfarbenen Neoprenuniformen der Designerin Von Bardonitz abgeschlossen wurde.

Im Anschluss an die Shows öffneten sich die Türen für mode- und musikbegeisterte Gäste, denen auf der offiziellen Aftershow Party von den DJs Sascha Funke und Carsten Klemann eingeheizt wurde.

Folgende Designer präsentierten ihre AW 2010/2011 Kollektionen im Rahmen der Veranstaltung .HBC Couture: Designer Scouts am 21. Januar 2010:

starstyling

starstyling reflektiert hingebungsvoll, kritisch visuell Trends der Gesellschaft. Dies drückt sich in subtiler Ironie, überraschenden Designs und dem Spiel mit den Elementen der zeitgenössischen Mode aus. Die Kollektionen werden weltweit von Trendshops verkauft. Im Gegensatz zu den kunterbunten Frühjahr-/Sommerstyles hält sich die neue AW10/11 Kollektion „Jessica Nussbaum“ dezent zurück. Neben viel Schwarz und ein wenig Weiß bestimmen entrückt wirkende, warme Farbtöne wie Waldgrün, Aubergine, Dunkelbraun und Fuchsia das Bild der neuen Kollektion.

Die 70-teilige Kollektion setzt sich zusammen aus reduziert gehaltenen Basic-Teilen wie Hoodies, TShirts, Bermudas und Kleidern aus weichem Jersey mit Wollanteil, die von kleinen, aber gewohnt eigensinnigen Details leben, wie zerlegte, farbige Klebeplättchen-Raster aus denen in liebevoller Handarbeit ornamentale Muster neu zusammengesetzt wurden. Kombiniert wird die Basic-Linie mit Lingerie-Styles aus gewaschener Seide, Oversized- und Raglanschnitte in kuscheliger Strukturwolle und weiteren Designs in Teer-Optik und gelochtem PU (Polyurethan). Hauptgestaltungsmerkmal der Kollektion sind eng anliegende Kapuzen im Taucher-Look, die über den Kopf gezogen nur einen kleinen Teil des Gesichts freilassen.

Carni

Carni ist ein neues Berliner Modelabel, welches auf dem Laufsteg der .HBC Couture: Designer Scouts sein Debut geben wird. Der Begriff Carny, abgeleitet aus dem Wort „Carnivale“, wurde in den frühen Dreißigern in Nord Amerika als Bezeichnung für die Angestellten eines Wanderzirkus populär. Carnies waren jedoch nicht nur die rauen Typen, die die Stände und Karussells aufbauten, sondern auch die exotischen Talente, die auf den Bühnen auftraten: Zauberer, Schwertschlucker, erotische Tänzerinnen, Schlangenbeschwörer, bärtige Damen, Wahrsager und jeder erdenkliche Freak, der den Mut hatte, aus seiner ungewöhnlichen Natur eine Attraktion zu machen.

Die Kollektion umfasst eine extravagante Reihe an filigranen Harnessen, Ketten, Armbändern, Taschen, Gürteln und Kopfschmuck aus feinem Leder, Silber, Acryl, Seide und Kordeln. Jedes Stück ist einzigartig und gewagt und wird seinen Träger selbst zur Attraktion machen.

JULIAANDBEN

JULIAANDBEN, ein Zusammenschluss der Vornamen beider Designer, steht für konsequente Arbeit in einem Spannungsfeld von Unvereinbarem: Kreation und Destruktion, Klassik und Avantgarde, High End und Streetstyle, maskulin und feminin. Ergebnis ist eine sehr persönliche Handschrift, die konzeptionelle Ansätze mit kommerziellen Ansprüchen zu vereinen weiß. Über vier Saisons hinweg haben unterschiedliche Ideen sich ihren Weg gebahnt und sind zu ausgesprochen tragbaren Kleidungsstücken mit einzigartigen Details geworden. Viele der Stoffe sind veredelt durch Handfärbungen, Waschungen und Bleichungen. Methoden die kaum zu kontrollieren sind und damit jedes Stück zu einem Unikat machen.

Martin Niklas Wieser

Martin Niklas Wieser versteht sich als Label welches sich an den Grenzen von Mode und Kunst bewegt. Kontinuität und eine projektbezogene Arbeitspraxis bilden das Kernstück der Identität und steuern gegen einen saisonal-bedingten Rhythmus an. Das Ziel besteht darin ein autarkes Produkt zu erstellen und hochqualitative Handarbeit mit einer kunstnahen Ästhetik zu verschmelzen. Die aktuelle Arbeit beschäftigt sich mit der Destruktion von pornographischen Stereotypen und der Demystifizierung intimer sexueller Phantasien. Der „Clash“ von Privatsphäre, sozialen Codes und kommunaler Adaption kollidiert mit einer abrupten Reduktion in Material und Ästhetik. Dieser „Clash“ zieht sich bis in den Aufbau der Kollektion; jedes Stück behält seinen eigenen Charakter, korrespondiert jedoch simultan mit der ganzheitlichen Aussage. Die gesamte Produktion findet in Berlin unter fairen Konditionen statt, sämtliche Produkte sind handgefertigt, der Fokus auf das Handwerk findet sich auch in den handgestrickten- und gefärbten Unikaten wider.

Don’t Shoot The Messengers

DONT SHOOT THE MESSENGERS ist die zweite Kollaboration der Berliner Designer Jennifer Ann Gilpin und Kyle Callanan. Inspirationsquelle ihrer Kollektion ist die Technik und Komposition der Art Deco Buntglasmalerei, die in der Vermischung der reichhaltigen Textur von Kalbsleder mit luftig transparenter und schimmernder Seide wiederzuerkennen ist. Nur die feinsten Materialien kommen in der Kollektion zum Einsatz und verleihen den Designs somit eine exquisite Beschaffenheit und eine bestechende Form.

Abgeleitet von den Couture-Teilen aus Leder und Seide, wird die Kollektion von einer simplifizierten Linie für den alltäglichen Gebrauch ergänzt. Angefertigt aus weichem Denim und feinem Jersey sind diese Teile wie Blaupausen ihrer hochwertigeren Ebenbilder, in denen die Essenz des ursprünglichen Konzepts deutlich durchscheint.

A.D.Deertz

Das Modelabel besteht bereits seit 2000. Seither wurde unter dem Labelnamen ADD ein Unisex-Konzept geschaffen, mit der Vorstellung der Winterkollektion 2009/2010 und einer begleitenden Namensänderung in A.D.Deertz erfolgte jedoch die Wandlung zu einer reinen Männerlinie. Zeitgleich eröffnete im April 2009 der A.D.Deertz Flagship Store auf der Berliner Kastanienallee 58.

Wibke Deertz kreiert in ihren Kollektionen ausdrucksstarke Männermode und schafft mit ihrem unverwechselbaren Gespür für Outfits einen prägnanten und gleichzeitig leichten Stil mit hohem Wiedererkennungswert. Sie spielt mit kleinen, versteckten Eitelkeiten und kleidet den Mann in einer leisen, aber akzentuierten Weise. Ihre Entwürfe wirken stets durch die charakteristische Mischung aus gewollter Zurückhaltung und selbstbewusstem Stilempfinden. Die Stücke wirken durch die für A.D.Deertz typischen kleinen Details und eigensinnigen Schnitte für sich.

In ihrer mittlerweile dritten Männerkollektion wählt Wibke Deertz eine gedeckte Farbpalette aus Grau und Blautönen, die durch aufregende Farbakzente in Rot, Khaki und milden Pastelltönen aufgelockert wird. Neben den für A.D.Deertz bekannten College-Jacken reicht das abwechslungsreiche Kollektionsspektrum von den Highlights der Winterjacken- und mäntel mit Denimfutter, über doppelt genähte Baumwoll-Cardigans bis hin zu Hemdjacken, Wendewesten und Accessoires.

V!TOR

Das Label V!TOR wurde 2009 gegründet und steht mit einem Bein in Berlin und mit dem anderen in Porto. V!TORs politische, kulturelle und soziale Hintergründe sind der Ausgangspunkt einer jeden Kollektion.

Inspiriert von der mazedonischen Identität und seinem Wandel der politischen Einflüsse inner- und außerhalb des Landes beschäftigt sich die neue Kollektion mit dem Kampf um einen Namen, der der Geschichte eines Landes gerecht werden soll. Mazedonien (wie V!TOR das Land bezeichnen würde) oder FYROM (wie einige andere es tun) ist die große Frage. Die Kollektion wird insgesamt dreimal auf einem Laufsteg präsentiert und die Outfits werden dabei jedesmal verändert, indem sie neu kombiniert, reduziert und erweitert werden. Die Farben der mazedonischen Flaggen werden dabei unter dicken, transparenten Schichten von Stoffen neu interpretiert.

Macedonia 1.0 beta wird als erstes auf dem Laufsteg der .HBC Couture: Designer Scouts gezeigt, bevor sie dann für Lissabon verändert wird und so weiter…

Julie Eilenberger

Julie Eilenberger ist einer dieser Jungdesigner, nach der sich schon von erster Stunde an die Köpfe umgedreht haben. Ihre erste Sci-Fi inspirierte Kollektion fand viel Anklang in der Modebloggerszene und
beeindruckte genau die richten Leute. Eine der größten Sportswear Firmen der Welt war so angetan von ihr, dass sie sie ihre Arbeit vom Fleck weg einkaufte und sie gleich dazu engagierte.

Ihre neue Kollektion „Marry me nature“ zeigt Nymphen in verschiedenen Szenarien der Natur.

Von Bardonitz

Seit 2007 existiert das Label Von Bardonitz. Der Name, basierend auf einer erlebnisreichen Familiengeschichte, begründet sich in Berlin durch die Ur-Enkelin des Baronen von Bardonitz. Von Bardonitz bedient sich klassischer Herrenschnitte und transportiert diese auf alle bestehenden Geschlechter. Traditionelle Formen werden in ihre geometrischen Grundbestandteile zurückversetzt und neu wieder zusammengefügt. (Bilder: .HBC Couture:Designer Scouts)

 

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